KiMoG 2026: Das neue Kindschaftsrecht – was getrennte Eltern jetzt wissen müssen
Millionen Familien in Deutschland leben nach einer Trennung. Wer hat wann das Kind? Wer entscheidet bei Arztbesuchen oder Schulwechseln? Und was passiert, wenn Gewalt im Spiel war? Das deutsche Kindschaftsrecht – das Fundament all dieser Fragen – war bisher ein unübersichtliches Flickwerk aus Jahrzehnten voller Einzelreformen. Das soll sich jetzt grundlegend ändern.
Das Bundesministerium der Justiz (BMJV) hat am 11. Mai 2026 den Referentenentwurf des Kindschaftsrechtsmodernisierungsgesetzes – kurz KiMoG – veröffentlicht. Es ist der größte Umbau des Kindschaftsrechts seit Jahrzehnten. Noch ist es kein beschlossenes Gesetz: Die Verbändeanhörung läuft bis 10. Juli 2026, ein Inkrafttreten ist frühestens 2027 zu erwarten. Aber was hier entschieden wird, betrifft euren Alltag als Trennungseltern direkt.
Was ist das KiMoG?
KiMoG steht für Kindschaftsrechtsmodernisierungsgesetz – kein kleines Update, sondern eine Grundsanierung. Das gesamte Recht rund um Sorgerecht, Umgangsrecht, Adoption und Pflegekindschaft soll neu geordnet, verständlicher und an die Realität moderner Familien angepasst werden. Laut BMJV stehen drei große Ziele im Mittelpunkt:
Die 7 wichtigsten Punkte des Entwurfs
Von Gewaltschutz über Alltagsentscheidungen bis zu neuen Kinderrechten – hier sind alle zentralen Änderungen des KiMoG auf einen Blick:
Was Befürworter sagen: Die Stärken des Entwurfs
Die Reaktionen aus Fachkreisen sind gemischt – die Richtung des KiMoG wird aber von vielen Seiten ausdrücklich begrüßt:
Frauenhauskoordinierung: Ein wichtiger Schritt für Gewaltbetroffene
Organisationen wie die Frauenhauskoordinierung begrüßen den Entwurf ausdrücklich. Die Definition häuslicher Gewalt nach der Istanbul-Konvention und die Verankerung des Schutzes vor miterlebter Gewalt als Kindeswohlbelang seien deutliche Verbesserungen gegenüber früheren Entwurfsfassungen.
Jugend-Check (KomJC): Mehr Stimme für Jugendliche
Der Jugend-Check sieht in den neuen Mitbestimmungsrechten ab 14 Jahren eine echte Chance auf mehr Selbstbestimmung. Jugendliche bekämen damit endlich eine stärkere Stimme in Verfahren, die ihr Leben direkt betreffen.
Deutsches Institut für Menschenrechte: Fortschritt beim Gewaltschutz
Das Institut hebt positiv hervor, dass die Gewaltdefinition und die stärkere Berücksichtigung miterlebter Gewalt im Entwurf klar formuliert sind. Das sei ein längst überfälliger Schritt in Richtung Menschenrechtskonformität.
BRAK: Modernisierung des Kindschaftsrechts überfällig
Die Bundesrechtsanwaltskammer begrüßt die Neustrukturierung des Kindschaftsrechts und die stärkere Orientierung an modernen Familienrealitäten als grundlegend richtig und zeitgemäß.
Was Kritiker bemängeln: Die offenen Flanken
Viele begrüßen die Richtung des KiMoG – aber nicht alle Details überzeugen. Diese Kritikpunkte kommen aus der juristischen Fachpraxis:
Was bedeutet das konkret für dich?
Das KiMoG ist noch kein Gesetz – aber die Richtung ist klar. Je nach deiner Situation als Trennungselternteil bedeutet das Folgendes:
Wenn du von häuslicher Gewalt betroffen bist oder warst
Die klarere Rechtslage macht es künftig leichter, Umgang einzuschränken oder auszuschließen. Das Miterleben von Gewalt wird ausdrücklich als Kindeswohlthema im Gesetz benannt – ein wichtiger Schritt, der bisher oft in einem rechtlichen Graubereich lag.
Wenn ihr unverheiratet wart
Die separate Sorgeerklärung entfällt voraussichtlich. Wenn beide Elternteile die Vaterschaft anerkennen, entsteht die gemeinsame Sorge automatisch – das vereinfacht die Situation für viele Familien erheblich und beseitigt einen häufigen Streitpunkt.
Im täglichen Co-Parenting-Alltag
Es wird klarer, wer in welchem Betreuungszeitraum welche Entscheidungen treffen darf. Das kann helfen, endlose Abstimmungsschleifen zu reduzieren und den Alltag mit Kindern nach der Trennung handhabbarer zu machen.
Wenn dein Kind 14 Jahre oder älter ist
Jugendliche bekommen in bestimmten Verfahren mehr Mitsprache. In stabilen Verhältnissen kann das entlastend sein – in hochstrittigen Trennungssituationen sollte das Wohl des Kindes dabei genau im Blick behalten werden.
Fazit: Großer Schritt, offene Fragen
Das KiMoG 2026 ist ein mutiger und überfälliger Schritt. Nach Jahrzehnten des Flickenwerks bekommt das Kindschaftsrecht endlich ein kohärentes Fundament – mit stärkerem Gewaltschutz, klareren Alltagsregeln und mehr Rechten für Kinder als eigenständige Personen.
Aber: Gute Absichten und gutes Recht sind nicht dasselbe. Ob das Gesetz in der Praxis wirklich entlastet oder an manchen Stellen neue Konfliktherde schafft, hängt stark von der Umsetzung ab – und davon, wie gut Gerichte, Jugendämter und Beratungsstellen auf die neuen Regelungen vorbereitet sind.
Wir bei CoParently behalten die weitere Entwicklung des KiMoG für euch im Blick. Denn Gesetze sind das eine – der Alltag mit Kindern nach einer Trennung das andere. Und genau dabei wollen wir euch unterstützen.
Hinweis: Dieser Artikel basiert auf dem Referentenentwurf vom 11. Mai 2026. Das KiMoG ist noch kein verabschiedetes Gesetz. Inhalte können sich im weiteren Gesetzgebungsverfahren noch ändern. Dieser Artikel ersetzt keine Rechtsberatung.


